Zulassung von Modellschulen

Um es vorweg zu sagen: Für inhaltliche Erkenntnisse brauchen wir keine Modellschulen mehr. Wir wissen längst, wie es anders geht. Wir wissen längst, wie sinnvolles Lernen funktioniert und dass Schule völlig anders laufen kann. Denn auch in einigen deutschen Schulen wird - zum Teil seit Jahrzehnten - eine andere Lernkultur gelebt, ist schüleraktives Lernen längst etabliert. Lehrer sind keine Bewertungs- und Kontrollinstanz mehr, sondern echte Förderer und Lernbegleiter der SchülerInnen, die ihren individuellen Lernweg selbst steuern und gestalten. Die sich nicht systembedingt in ständiger Konkurrenz zueinander befinden, sondern miteinander lernen und einander helfen. 

Diese SchülerInnen gehen ohne Angst in ihre Schule. Sie haben Freude am Lernen und gerade deshalb erzielen sie bessere Leistungen. Für die Hirnforscher ist das wenig verwunderlich, denn sie haben eindeutig belegt, dass echte Begeisterung fürs Lernen nur in einem angst- und somit für lange Zeit notenfreien Umfeld aufkommen kann. 

Wir wissen also: Die Schulen der Zukunft gibt es längst. Nur leider nicht in Bayern. Hier muss man solche Schulen mit der Lupe suchen und findet sie fast ausschließlich im Privatschulbereich. Wenn es um moderne Lernkultur in öffentlichen Schulen geht, ist Bayern Deutschlands Schlusslicht. Denn unsere Bildungspolitiker halten an den überkommenen Strukturen des gegliederten Schulwesen mit Sturheit und Ignoranz gegenüber den Erkenntnissen der Wissenschaft und den Erfolgen alternativer Schulen fest, so dass man ihnen selbst eine "Lernstörung" attestieren muss (so Kurt Singer in DIE SCHULKATASTROPHE).

Ähnlich deutliche Worte fand Remo Largo bei seinem Vortrag in den Münchner Kammerspielen im März 2013 für unsere öffentlichen Schulen: Was wir dort mit unseren Kindern machen, sei "Hasenjagd". Und Largo listet auf, von welchen "heiligen Kühen" wir uns endlich trennen müssen, um daran etwas zu ändern: Noten, Abfragen, Prüfungen, Hausaufgaben, Sitzenbleiben, Selektion und einiges mehr. Kaum noch nötig zu erwähnen, dass auch der renommierte Kinderarzt und Entwicklungspsychologe für rhythmisierte Ganztagsschulen plädiert.

 

Notengebung und Selektion sind die größten Hürden für bessere Schulen. Die ständige Leistungsbeurteilung verhindert guten, modernen Unterricht und nachhaltiges Lernen, macht das Engagement vieler Lehrer zunichte und ist verantwortlich dafür, dass viele Kinder freudlos und erfolglos lernen.

Wir müssen also die Noten bis zur 9. Klasse durch andere Feedback-Systeme ersetzen, und das macht den nötigen Umbau unserer Schulen so schwierig. Denn mit Abschaffung der Notengebung würde die bundesweit einmalige Selektionspraxis enden - undenkbar für die derzeitige Landesregierung. Dass der bayerische Kultusminister die vermeintliche Eliteeinrichtung Gymnasium antastet, ist angesichts seiner konservativen Wählerschaft in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Daher könnten noch viele Jahre voller Schulalbträume und vergeudeter Potenziale ins Land ziehen. Deshalb brauchen wir endlich Modellschulen in Bayern, wenn nötig müssen wir sie per Volksbegehren durchsetzen.

Das bislang kategorische Nein zu Modellschulen vom bayerischen Kultusminister und die Tatsache, dass er Schulen in freier Trägerschaft immer mehr Mittel entzieht, ist eine Bevormundung von Eltern, Schülern und Lehrern, die wir nicht länger schweigend hinnehmen dürfen. Wer glaubt, der Besuch eines G8-Gymnasiums sei das Beste für die geistige und soziale Entwicklung seines Kindes, der soll es dort anmelden können. Aber in einer demokratischen Gesellschaft müssen diejenigen, die etwas anderes für ihr Kind wollen, auch die Möglichkeit haben, sich so zu entscheiden. Für eine Gemeinschaftsschule, die sich im In- und Ausland längst bewährt hat und die von der Wissenschaft einhellig propagiert wird: 

  • aktives, individuelles Lernen in altersgemischten Klassen
  • ohne Selektion, d.h. gemeinsames Lernen bis zur 10. Klasse 
  • ohne Noten bis zur 9. Klasse
  • in gebundenem, rhythmisiertem Ganztag
  • in inklusiven Schulen
  • mit anschließender gymnasialer Oberstufe und somit allen Abschlussmöglichkeiten

 

Bei kleinen Gemeinden auf dem Land ist das rigide Dogma der Dreigliedrigkeit noch grotesker: Diese Gemeinden sind von Schulschließungen bedroht, weil sie nicht mehr genügend Kinder für die drei Schularten haben. Das bedeutet für die Gemeinde Verarmung: Die Schule steht leer, ein kultureller Mittelpunkt fehlt, der örtlichen Wirtschaft fehlen Auszubildende und der Gemeinde Steuereinnahmen, weil Eltern mit Kindern solche Gemeinden meiden. Und für die Kinder bedeutet es lange Fahrtwege.

Städten und Gemeinden wie Gröbenzell, Donaustauf, Odelzhausen, Mammendorf, Lalling, Kipfenberg und Denkendorf haben überzeugende Konzepte für eine Gemeinschaftsschule vorgelegt. Bürgermeister und Stadträte aller Fraktionen und Parteien machen sich Sorgen um ihren Schulstandort. Sie kämpfen z.T. schon seit Jahren und bislang leider erfolglos mit dem Kultusministerium.

Das Problem der zurückgehenden Schülerzahlen haben die Schulen in München zwar nicht, aber selbstverständlich brauchen wir auch hier endlich modellhafte Gemeinschaftsschulen. Der Übertrittswahnsinn der 4. Klasse wird von Jahr zu Jahr schlimmer, bei vielen G8-Schülern und -Eltern liegen die Nerven blank. So darf es nicht weitergehen.

Prädestiniert für städtische Modellschulen sind neu geplante Stadtviertel wie beispielsweise Freiham. Hier darf auf keinen Fall wieder in den alten Schubladen der 3 Schularten gedacht und gebaut werden! Genau das wurde aber bislang geplant - vielen Bürgerinitiativen zu trotz. Bei einer im März 2013 abgehaltenen Bürgerversammlung haben zukünftige Freiham-SchülerInnen gesagt: Wir wollen nicht nach Schularten getrennt, sondern gemeinsam in den jeweiligen Altersstufen lernen und essen. Die Kinder wollen Gemeinsamkeit.

 

Modellschulen könnten praktisch zeigen, wie anderes Lernen geht. In vielen Bundesländern werden solche Gemeinschaftsschulen überrannt. Eine Abstimmung mit den Füßen fürchtet der bayerische Kultusminister, deshalb lässt er keine Modellschulen zu. Gegen dieses Diktat, das unsere Kinder in ein überholtes Schulsystem mit überholten Unterrichtsmethoden zwingt, müssen wir uns wehren. Wenn sich an den politischen Mehrheitsverhältnissen in Bayern nichts ändert, wird kein Weg mehr an einem Volksbegehren vorbeiführen.

Unterstützen Sie die immer lauter werdende Forderung nach Modellschulen, indem Sie:

1. in Ihrem persönlichen Umfeld Aufklärung betreiben (hier finden Sie die gängigsten Einwände zur "Einheitsschule" und den Text LERNEN GEHT ANDERS),

2. den bahnbrechenden Film DAS GEHEIMNIS GUTER SCHULEN in Ihren Kindergarten, Ihre Schule, Ihr Kollegium bringen (hier finden Sie unser Filmangebot),

3. in unserem Verein EINE SCHULE FÜR ALLE Mitglied werden, und - wenn es Ihnen zeitlich möglich ist - unsere Aufklärungsarbeit aktiv begleiten (hier finden Sie den Mitgliedsantrag),

4. an unseren monatlichen Schuldemos für die Zulassung von Modellschulen teilnehmen – ab Ende Januar 2015 immer am letzten Dienstag im Monat um 17 Uhr auf dem Rindermarkt (hier geht’s zum Flyer)