EINE SCHULE FÜR ALLE

Warum die gängigsten Einwände nicht überzeugen

„Alle Kinder zusammen in einer Schule - wie soll das gehen? Das Niveau sinkt, gerade die starken Schüler haben Nachteile zu befürchten.“

Die Gemeinschaftsschule ist keine Einheitsschule, in der ein Einheitsbrei über alle gegossen wird. Gerade das geschieht aber im gegliederten Schulwesen, in dem der Stoff für die ganze Klasse der gleiche ist. Wer die Inhalte längst verstanden hat und weitermachen möchte, interessiert im normierten Klassenunterricht ebenso wenig wie derjenige, der noch einige Zeit bräuchte, um zum Verständnis zu gelangen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen: Starke Schüler profitieren am meisten vom individuellen, freien Lernen.

„Wir leben nun mal in einer Leistungsgesellschaft!“

Auf die nächste Schulaufgabe zu pauken und auswendig gelerntes Wissen wiederzugeben, ist keine Leistung. In unserer heutigen Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft zählen reine Fachkenntnisse kaum mehr. Selbstständigkeit und Kompetenzen sind in der Arbeitswelt gefragt - für Problemlösung, Teamarbeit und den Umgang mit Heterogenität in der globalen Welt.

„Irgendwann beginnt halt der Ernst des Lebens!“

Das ist Schwarze Pädagogik: Jetzt geben wir den Kindern nichts mehr zu essen, damit sie sich an das Hungern gewöhnen. Um mit dem Ernst des Lebens umgehen zu können, braucht es Selbstbewusstsein und eigene Strategien, sein Leben zu gestalten. Junge Menschen befinden sich noch in der Entwicklung, müssen ihre Fähigkeiten erst noch entfalten. Für diesen Aufbauprozess brauchen sie keine ständige Beurteilung, sondern vor allem eines: Ermutigung.

„Es gibt eben die mehr theoretisch Begabten und die mehr praktisch Begabten.“

Gegenfrage: Möchten Sie einen Zahnarzt, der nur theoretisch begabt ist?

„Ohne Noten lernen Schüler nicht!“

Alle Kinder wollen lernen. Man bedenke, was Kleinkinder von sich aus vor der Schule lernen: eine Sprache oder zwei, laufen, Mengen, Zeichen, Zusammenhänge, psychologisches Wissen: Wie gehe ich mit Mutter oder Vater um? Alle Kinder wollen sich in der Welt und in ihrer Kultur zurecht finden, sie wollen wirksam sein, ihr Leben gestalten, um Zufriedenheit und Glück zu empfinden. Lernen unter Notendruck ist nicht effektiv und nicht nachhaltig.

„Mir hat die Regelschule nicht geschadet. Aus mir ist doch auch was geworden.“

Gegenfragen: Was haben Sie versäumt? Welche Alternativen haben Sie gar nicht wahrgenommen? Welche Ihrer Potenziale blieben unentdeckt?

„Deutschland ist wirtschaftlich Weltspitze, da können unsere Schulen ja kaum schlecht sein.“

Wir stehen wirtschaftlich gut da - trotz unserer Schulen, nicht wegen. MADE IN GERMANY wurde von Handwerkern gemacht, die nie ein Gymnasium besucht haben. Im Übrigen beruht die Wirtschaftskraft Deutschlands im Wesentlichen auf unseren Universitäten, als sie noch frei waren, und nicht - wie jetzt - verschult durch den Bologna-Prozess. Erst die Zukunft wird zeigen, wo Deutschland steht, wenn die Absolventen der jetzt verschulten Unis ins Wirtschaftsleben treten.

Wie schlecht unser öffentliches Schulsystem ist, zeigt sich an vielem - beispielsweise auch daran, dass ca. 25% der SchülerInnen keine Ausbildungsreife erreichen. Und dass Eltern jährlich 1,5 Milliarden Euro für private Nachhilfe ausgeben.