Diese Veränderungen sind schon heute in Ihrer Schule möglich


  • Verzicht auf Exen und unangekündigtes Abfragen, um die negativen Auswirkungen von Noten so weit wie möglich einzugrenzen. Anstelle dieser überfallartigen Notenerhebung können sogenannte Bringnoten treten: SchülerInnen melden sich zum Test oder Referat, wenn sie sich fit fühlen. Dies war auch eine der zentralen Veränderungen im - sogar vom Kultusministerium - viel gelobten Gymnasium in Oettingen.

  • Verzicht auf Halbjahreszeugnisse ist seit dem Schuljahr 2014/15 an bayerischen Grundschulen in Klasse 1 bis 3 möglich. Statt des Zwischenzeugnisses kann ein Lernentwicklungsgespräch geführt werden. Das Gespräch führen der Schüler, der Lehrer/die Lehrerin und die Eltern über das bisher Erreichte, Stärken und Schwächen und weitere Lernwege. Es kann Material, das der Schüler angefertigt hat, herangezogen werden, wie bei einem Portfolio. Das Jahreszeugnis ist allerdings wieder ein von der Lehrperson angefertigtes Zeugnis. Ob an der Schule solche Lernentwicklungsgespräche stattfinden, entscheidet die Lehrerkonferenz. In der 4. Klasse besteht die Möglichkeit des Lernentwicklungsgesprächs bisher nicht.

  • Schüleraktives Lernen und Lernbüros fördern, um SchülerInnen, wo immer es möglich ist, von ihrer passiven Zuhörerrolle zu befreien. Lernen ist ein individueller, hochkomplexer Vorgang im Gehirn, der nicht von außen verordnet werden kann. Selbstbestimmte Tätigkeit hingegen aktiviert Lernprozesse und führt zu wirklichem Verständnis. Möglichkeiten sind: Gruppen- und Projektarbeit, Freiarbeit, Referate (Partner-Referate!) und mündliche Berichte, SchülerInnen übernehmen Teilthemen des Unterrichts oder ganze Unterrichtsstunden. Die kürzlich mit dem deutschen Schulpreis ausgezeichnete Anne-Frank-Realschule München-Pasing hat, wie auch andere Münchner Realschulen, sogenannte Lernbüros eingeführt, in denen eigenständiges Arbeiten praktiziert wird.

  • Doppelstunden und Blockunterricht einführen, da im 45-Minutenraster schüleraktives Lernen kaum möglich ist. Auch Gruppen- und Projektarbeit hat in längeren Einheiten viel mehr Erfolg. Einstündige Fächer finden dann alle 14 Tage als Doppelstunden statt.

  • Offene, flexible Lernräume gestalten, um freies Lernen und die Zusammenarbeit unter den SchülerInnen zu fördern. Es müssen nicht immer große Umbaumaßnahmen wie das Entfernen von Wänden oder Einsetzen von Glaswänden sein. Es gibt auch einfachere Maßnahmen, auch solche, die nichts kosten, beispielsweise die steife, frontale Sitzordnung aufzuheben zugunsten produktiver, selbstverwalteter Arbeitsinseln.

  • Regen Sie Schulbesuche an, damit sich Eltern und LehrerInnen in der Praxis anschauen können, welche Veränderungen im bestehenden System möglich sind und wie man sie umsetzen kann. In Bayern sind die Anne Frank-Realschule (München-Pasing), das Gymnasium Trudering und das Albrecht-Ernst-Gymnasium (Oettingen) solche Beispiele.

  • Gehen Sie nicht alleine zum Elternsprechtag, sondern nehmen Sie zum Gespräch Ihren Sohn oder Ihre Tochter mit, so dass nicht nur über Ihr Kind gesprochen wird, sondern dass es auch selbst teilnimmt.

  • Gründen Sie eine Lehrer-Eltern-Schülergruppe und treffen sich zu Themen-, Film- und Referentenabenden und zu Aktionen, die jeder Teilnehmer vorschlagen kann. Wenn Sie sich in der Schule treffen, übernimmt eine Lehrperson die organisatorische Verantwortung, die inhaltliche tragen alle. Dies ist jedoch nicht zu verwechseln mit dem Schulforum, das formal festgelegt ist und von der Schulleitung geleitet wird.

  • Engagieren Sie sich im Elternbeirat und nehmen Sie Mitgestaltungsrechte wahr, indem Sie Ansprechpartner für die Eltern sind und für Öffentlichkeit sorgen. Manche Schulleiter schränken Eltern mit dem Gebot der Geheimhaltungspflicht ein. Geheimhaltung bezieht sich aber nur auf personenbezogene Daten, meist von SchülerInnen und LehrerInnen. Ansonsten ist der Elternbeirat frei, im Gegensatz zu den dienstverpflichteten Lehrern. Eltern können sich also frei an die Öffentlichkeit und die Presse wenden. Veranstaltungen wie unsere Film- und Vortragsabende sind über den Elternbeirat meistens leicht zu realisieren.

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