Infos für Eltern

Woran erkennt man gute Schulen?

Einige Ansatzpunkte finden Sie hier verbergen

Lernformen:

  • Welche Unterrichtsformen gibt es? 
  • Wird individuell gelernt? 
  • Wird selbständig gelernt? 
  • Liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten bei den Schülern? 
  • Werden Themen und Projekte von den Schülern selbst erarbeitet? 
  • Gibt es fächerübergreifenden Unterricht? 
  • 45-Minutentakt, Doppelstunden oder freies Lernen ohne Gong?

Leistungsbewertung:

Wann wird wie oft und wie bewertet? Verbale Rückmeldung, schriftliche Lernberichte, Punkte, Noten? Unangekündigtes Abfragen, Exen oder 'Bringnoten'? Müssen Proben von den Eltern unterschrieben werden? Welches Gewicht haben Bewertungen?

Klassenraum: 

Wie ist die Sitzordnung - in Reihen oder in Gruppen? Feste Sitzordnung oder flexibel? Wird nur am Schreibtisch gearbeitet oder gibt es andere Sitzmöglichkeiten (z.B. am Boden)?

Elternmitwirkung:

Wird den Eltern in der Schule Raum gegeben? Gibt es ein Elternanschlagbrett? Fungiert der Elternbeirat nur als Cateringservice oder hat er Mitsprache bei pädagogischen Projekten? Kann der Elternbeirat selbstständig ohne Schulleitung tagen?

Fragen Sie nach der Möglichkeit zu hospitieren!
Fast alle Schulen in freier Trägerschaft ermöglichen Interessenten zu hospitieren. In öffentlichen bayerischen Schulen ist eine Hospitation offiziell nur in der Klasse des eigenen Kindes möglich. Aber dort, wo ein offenes Klima herrscht, wird man es Ihnen dennoch ermöglichen, als stiller Gast dem Unterricht beizuwohnen. Und wenn nicht, haben Sie mit Ihrer Anfrage der Schulleitung zumindest Ihr Interesse an Schule und Unterricht signalisiert.

EINE SCHULE FÜR ALLE

Warum die gängigsten Einwände nicht überzeugen lesen Sie hier

Wie mit Noten umgehen?

Deutsche Schulen sind vor allem leistungs- und wenig lernorientiert, so die Bildungsforscherin Elsbeth Stern. „Die Leistungsorientierung ist enorm bei uns, das heißt: stimmen die Noten? Ob die SchülerInnen die Inhalte wirklich verstanden haben, interessierte überhaupt nicht - bis zum PISA-Schock.“

Leider wurde auf den PISA-Schock völlig falsch reagiert: Statt weniger Leistungen zu prüfen und den Fokus aufs Lernen zu richten, gibt es heute noch mehr Tests und mehr Noten. Somit wurde das zentrale Problem unserer öffentlichen Schulen, der Defizitblick auf die SchülerInnen, der Bewertungs- und Selektionsirrsinn, nicht gelöst.

  • Noten sind Pauschalurteile, die den einzelnen Menschen nicht erfassen. Lernen, Dinge verstehen, weiterdenken, Wissen vernetzen - das ist ein so verzweigter, diffiziler und individueller Prozess, der in einer Ziffer nicht dargestellt werden kann.
  • Noten sind immer ungerecht, weil sie nur Vergleiche zwischen SchülerInnen einer Klasse sind, die Zusammensetzung der SchülerInnen aber in jeder Klasse, jeder Schule eine andere ist. Und der Maßstab der verschiedenen LerhrerInnen ist immer ein anderer. 
  • Noten sind nicht objektiv. Das belegen alle wissenschaftlichen Studien, das wissen Lehrer und Bildungspolitiker. Zahlreiche Bespiele für Fehler beim Benoten finden Sie hier. 

Dass trotzdem an Noten festgehalten wird, liegt vor allem an ihrer Funktion als Auslesekriterium. Die Selektion von SchülerInnen ist Grundlage unseres gegliederten Schulwesens. Somit sind Ziffernnoten - trotz ihrer erwiesenen Unsinnigkeit - wesentlich für den Bildungsweg deutscher SchülerInnen. In diesem Dilemma befinden sich alle: Lehrende, Lernende und Eltern.

Wie verhalten Sie sich als Eltern in diesem Dilemma? weiterlesen verbergen

Ihrem Kind gegenüber: Gelassenheit. Der Schule gegenüber, die diese Situation verursacht: Druck.

Ihrem Kind helfen Sie nur durch Ermutigung, Vertrauen und Gelassenheit.

Verstärken Sie bei schlechten Noten nicht den Druck, unter dem ihr Kind ohnehin schon steht. Werden Sie sich Ihrer eigenen Angst bewusst und sehen Sie, was dahinter steht: Mangelndes Vertrauen ins Kind. Sie haben Angst, es schafft „es“ nicht. 

Die meisten Eltern wollen, dass ihr Kind Abitur macht, damit ihm alle beruflichen Optionen offen stehen. Deshalb steht für viele fest, dass das Kind aufs Gymnasium gehen soll, also einen Notenschnitt von 2,33 in der 4. Klasse braucht. Bevor aber ein Kind aufgrund der Erwartungen von Eltern und Schule bereits in der Grundschulzeit die Lust am Lernen verliert und in seinem Selbstwertgefühl geschwächt wird, sollte man bedenken, dass

  • mehr als 40% der bayerischen AbiturientInnen ihren Abschluss nicht auf dem Gymnasium machen, 
  • dass circa 40% der Gymnasiasten von der 5. bis zur 11. Klasse ‚verloren’ gehen, also entweder sitzenbleiben oder die Schule verlassen müssen (‚abgeschult’ werden), 
  • dass viele Gymnasiasten häufig einen 12-Stundentag absolvieren und keine Zeit für Ihre Interessen und Aktivitäten haben,
  • dass Prüfungsdruck, Bulimielernen, physische und psychische Beschwerden seit Einführung des G8 noch deutlich zugenommen haben. 

All diese absurden Folgen verursacht ein Schulsystem, das nicht auf Förderung der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet ist, sondern auf deren Selektion. Wer nicht passt, fliegt. Diese Feststellung treffen Lehrerinnen und Lehrer. Eine Feststellung, die notwendiger Weise subjektiv ist (da es keinen Maßstab für Lernleistung gibt), und nur - wenn überhaupt - eine Momentaufnahme ist, da ihr Kind am nächsten Tag mehr und anderes weiß.

Aber Sie selbst müssen einen Lernprozess durchmachen. Solange Sie wissen wollen, wo Ihr Kind steht, sind Sie noch im Notensystem verhaftet. Informieren Sie sich über die Fragwürdigkeit von Noten und stehen Sie in kritischer Distanz zu Ihnen! Lesen Sie dazu auch WARUM KEINE NOTEN? und FEHLER BEIM BENOTEN. Außerdem bieten wir Ihnen einen kostenfreien Vortrag zu diesem Thema an.

Nur mit Wissen und Gelassenheit können Sie erfolgreich Lehrer kritisieren, ohne Angst haben zu müssen, Ihre Kritik könnte Ihrem Kind schaden. Die Lehrperson kann Sie ernst nehmen, Sie können ernsthaft über die Situation sprechen und Sie werden erreichen, dass die Lehrperson sehr achtsam mit Noten Ihrem Kind gegenüber umgehen wird. 

Fordern Sie, dass die Lehrperson im Bereich der mündlichen Noten das Prinzip der Bringnoten anwendet, so dass Ihr Kind den Zeitpunkt einer Leistungserbringung selbst bestimmt.

Um ernst genommen zu werden, gelten folgende Regeln:

  • Versuchen Sie nie, eine Lehrperson vor Unterrichtsbeginn zwischen Tür und Angel zu sprechen. Besuchen Sie die Lehrperson nur in der Sprechstunde und kündigen Sie Ihren Besuch an.
  • Lassen Sie zuerst die Lehrperson über die Lage Ihres Kindes sprechen. Oder beginnen Sie: Mein Kind hat diese Noten, was raten Sie mir? Erst wenn die Lehrperson gesprochen und selbst Gelassenheit gewonnen hat, beginnen Sie, ebenfalls gelassen, mit Ihrem Anliegen. Sollten Sie keinen Erfolg haben, wenden Sie sich an die Schulleitung. Wenn auch dies nicht zu einer Verbesserung der Situation führt, können Sie die Öffentlichkeit oder einen Anwalt einschalten (Eltern können sich, im Gegensatz zu LehrerInnen, sofort an die Presse wenden).

Aber auch die Schule, die Schulleitung und die LehrerInnen sind nur Teil des selektiven Systems. Sie können den Druck auf diese Personen erhöhen, mit dem Ziel, dass diese den Druck an die Kultusbürokratie weitergeben.

Langfristig lässt sich Schule ohne politische Aktion nicht verändern.  Treten Sie durch Aufklärung anderer Eltern und durch politisches Engagement, für die Abschaffung von Ziffernnoten und die Etablierung einer neuen Lernkultur ein.

 

Ihr Kind ist faul?

Faulheit ist keine Natureigenschaft, sondern durch widrige Umstände gelernt. Statt Ihrem Kind Vorwürfe zu machen, machen Sie der Schule Vorwürfe:

  • Schülerinteressen sind nicht gefragt.
  • Im Unterricht stellen nicht die SchülerInnen die Fragen, sondern die Lehrperson.
  • SchülerInnen sind zur Passivität verdammt. Einen ganzen Vormittag lang zuhören zu müssen, demotiviert. Es macht lethargisch.
  • Fordern Sie schüleraktives Lernen!

 

Ihr Kind kann sich nicht konzentrieren? 

Vielleicht sind Stoff und Unterricht langweilig?

Gibt es ausreichend Bewegungsangebote?

 

Ihr Kind ist unruhig? 

Die motorische Aktivität ist bei Kindern von 6-8 Jahren am höchsten. Genau in dem Alter in dem Kinder in etlichen Grundschulen still sitzen müssen! Hyperaktivität ist, wie Faulheit, i.d.R. Folge nicht kindgerechter Umstände (s. auch Remo Largo LERNEN GEHT ANDERS! 2010). Die rapide Zunahme von ADHS-Diagnosen und psychosomatischer Erkrankungen ist eine der traurigen Folgen unseres Schulsystems. 

 

Ihr Kind ist in der Pubertät? 

In dieser wichtigen Phase der Selbstfindung, brauchen Jugendliche mehr Raum. Theaterspielen, Musik machen, in der Landwirtschaft arbeiten - gibt es in der Mittelstufe Angebote dieser Art?

 

Verlust der Kindheit -

so sehen viele Eltern den Stress in bayerischen Schulen, vor allem im Turbo-Gymnasium G8. 

Das G8 wirkt inzwischen (vor allem auf dem Land) so abschreckend, dass viele Kinder, auch wenn sie den Schnitt fürs Gymnasium erreichen, lieber auf die Realschule gehen und von dort über FOS oder BOS das Fachabitur, mit einer zweiten Fremdsprache das Allgemeine Abitur machen. Hier ist allerdings zu beachten, dass das Weiterkommen immer von einem Notenschnitt um 2,5 abhängt, während ein Gymnasiast die Jahre bis zum Abitur mit lauter Vieren und einer Fünf durchlaufen kann.

 

Ausbruch aus dem System -

mehr als 20% der Schulen in Bayern sind Privatschulen - dies ist die höchste Rate in der BRD. Immer mehr Eltern entscheiden sich, aus dem staatlichen System auszusteigen.  Über 2300 deutsche SchülerInnen besuchen inzwischen ein englisches Internat.

Da der Staat nur ca. 80% der Lehrergehälter an Privatschulen finanziert, müssen diese Schulgeld erheben. Somit wird die Chancenungleichheit weiter zementiert, der Mehrzahl der Kinder stehen nur Regelschulen offen.

 

Gibt es Schulen in München, in denen Kinder druck- und zwanglos lernen und sich ihrer Persönlichkeit entsprechend entwickeln können?

Ja, die gibt es. Aufgrund des restriktiven bayerischen Schulsystems ist es jedoch öffentlichen Schulen nur in Ansätzen möglich, einen Wandel in der Lernkultur herbeizuführen. Daher sind es vor allem Schulen in freier Trägerschaft (Privatschulen), die den Forderungen der Bildungs- und Hirnforschung wirklich entsprechen. So erfüllen Montessorischulen, in denen die Montessori-Pädagogik konsequent umgesetzt wird, alle Voraussetzungen einer modernen Lernkultur: Mit wirklicher Freiarbeit - nicht periodisch unterbrochen durch Klassenarbeiten - setzt die Montessori-Pädagogik voll auf selbstbestimmtes Lernen, es wird schüleraktiv und individuell gearbeitet. Durch die altersgemischten Lerngruppen wird die Zusammenarbeit unter den Schülern, das Miteinander gestärkt. Ganz zentral ist außerdem, dass hier auf die unsinnige, ständige Leistungsprüfung und Notengebung verzichtet wird. Und dass Lehrer echte Förderer und Lernbegleiter ihrer SchülerInnen sind. Diese bekommen Raum, Zeit und Mittel an die Hand, um eigene Lernstrategien zu entwickeln. Nur so, im offenen Unterricht, ist ganzheitliches und vernetztes Lernen überhaupt möglich.

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Obwohl die Entwicklung der Montessori-Pädagogik vor über 100 Jahren ihren Anfang hatte, entspricht sie tatsächlich in allen zentralen Punkten exakt dem, was heute Neurowissenschaftler und Lehr-/Lernforscher von modernen Schulen fordern: Das einzelne Kind in den Mittelpunkt zu stellen, es nicht in defizitärer Sichtweise ständig zu prüfen und zu bewerten, sondern vor allem die Potenziale eines jeden Schülers anzuerkennen und ihn individuell zu fördern. Dem Kind Raum, Zeit und die Mittel an die Hand zu geben, eigene Lernstrategien zu entwickeln. Denn nur so, im offenen Unterricht, ist ganzheitliches und vernetztes Lernen überhaupt möglich.

Früher wechselten zahlreiche - vor allem leistungsstarke - MontessorischülerInnen nach der Grundstufe auf ein Gymnasium. Das hat sich in den letzten Jahren geändert, seit Gründung der Montessori Fachoberschule (MOS), was dem Leistungsniveau der Mittel- und Oberstufen in den Montessorischulen natürlich zuträglich ist. Mit der MOS können SchülerInnen, die das allgemeine oder das Fach-Abitur machen wollen, den Montessoriweg bis zum Abschluss weitergehen. 

 

Wenn Sie sich für eine Montessorischule interessieren, sollten Sie sich jede in Frage kommende Schule anschauen und im Unterricht hospitieren, denn nicht überall ist Montessori drin, wo es drauf steht. Welche Themen aufschlussreich sein können, lesen Sie hier:

  • Wie viele Pädagogen betreuen wie viele Kinder? 
  • Haben die Pädagogen ein Montessori-Diplom oder machen es berufsbegleitend? 
  • Gibt es Altersmischung (wenn ja welche)? 
  • Wie hoch ist der Anteil an Freiarbeit? 
  • Gibt es schon in der Unterstufe gebundene, d.h. lehrerzentrierte Unterrichtsteile (wenn ja wie viel)? 
  • Erstellen die SchülerInnen ihre eigenen, individuellen Lernpläne (z.B. Wochenpläne) oder gibt die Lehrperson einen einheitlichen Plan für die ganze Klasse vor? 
  • Handelt es sich um gebundenen Ganztag, bei dem alle SchülerInnen bis zum Nachmittag in der Schule sind? 
  • Wird Wert darauf gelegt, dass die SchülerInnen bis zur 10. Klasse bleiben (bspw. keine Vorbereitung auf den Übertritt)?

Was können Sie zur Verbesserung der Schule Ihres Kindes beitragen?

Folgende Schritte können sinnvoll sein:

  • Leisten Sie Aufklärung weiterlesen verbergen

    Schulen in Deutschland sind vor allem leistungs- aber wenig lernorientiert: SchülerInnen lernen, schnell und ökonomisch den Stoff zu pauken, um ihn dann für die Probe oder Schulaufgabe wieder abrufen zu können - und sich danach auf den neuen Parkours zu stürzen. Wissenschaftler kritisieren, dass es keine echte Lernkultur gibt, in der der Lernprozess der Kinder im Mittelpunkt steht und sie aktiv und individuell lernen können.

    Solche Unterrichtsformen sind in Deutschland, und vor allem in Bayern mit seiner Prüfungs- und Notenfixiertheit, kaum bekannt. Wir sind (fast) alle durch die traditionelle Notenschule mit ihrem lehrer-zentrierten Unterricht gegangen. Viele öffentliche Schulen, insbesondere im Sekundarbereich, unterscheiden sich kaum von den Schulen vor 30 Jahren. Alternativen sind in Bayern bislang fast nur im Privatschulbereich anzutreffen.

    Um Veränderungen anzustoßen, ist daher zu allererst Aufklärung nötig. Zeigen Sie den Film DAS GEHEIMNIS GUTER SCHULEN sowohl anderen Eltern als auch Lehrern, denn nichts überzeugt mehr, als gelingende Schulen zu sehen - wie dort gelernt wird und wie LehrerInnen und Schulleitung arbeiten. Und das auch in einigen deutschen Schulen!

    Der Film zeigt:
    - wie individualisierter Unterricht aussieht
    - welche räumlichen Veränderungen sinnvoll sind
    - welche Schwerpunkte die Lehrerarbeit ausmachen
  • Regen Sie Schulbesuche an weiterlesen verbergen

    Wenn grundsätzliche Bereitschaft für Veränderungen besteht, können Exkursionen des Lehrerkollegiums zu gelingenden Schulen sehr viel bringen. Solche Praxisbeispiele können inspirieren und den ersten Anstoß für einen Veränderungsprozess geben. So zeigt das Gymnasium in Oettingen (Albrecht-Ernst-Gymnasium), dass einige sinnvolle Veränderungen auch innerhalb des bestehenden Systems möglich sind.
  • Schüleraktives Lernen/Freiarbeit weiterlesen verbergen

    Wo immer es möglich ist, sollten SchülerInnen von ihrer passiven Zuhörer-Rolle befreit und selbst aktiv werden. Lernen ist ein individueller, hochkomplexer Vorgang im Gehirn, der nicht von außen verordnet werden kann. Selbstbestimmte Tätigkeit aktiviert Lernprozesse und führt zu wirklichem Verständnis.

    Zum Thema schüleraktives Lernen in der Grundschule bieten wir Ihnen einen kostenfreien Vortrag an!
  • Doppelstunden/Blockunterricht weiterlesen verbergen

    Statt einzelner 45-Minutenstunden ist es ratsam, flächendeckend Doppelstunden einzuführen. Denn im 45-Minutenraster ist schüleraktives Lernen kaum möglich und es kommt selten zu echten Übungs- und Lernphasen. Auch Gruppen- und Projektarbeit hat in längeren Einheiten viel mehr Raum. Einstündige Fächer finden dann alle 14 Tage als Doppelstunden statt.
  • Bringnoten/Eigenverantwortung weiterlesen verbergen

    Überfallartiges Abfragen und Exen sollten durch Bringnoten ersetzt werden, wie es am Gymnasium in Oettingen praktiziert wird. SchülerInnen melden sich selbst zum Test, Kurzreferat etc., wenn sie dafür bereit sind. Die Atmosphäre im Unterricht und das Verhältnis zwischen SchülerInnen und der Lehrperson können sich dadurch nachhaltig verbessern. SchülerInnen arbeiten intensiver, sie führen in manchen Fächern ein 'Logbuch', in dem sie den jeweiligen Lernstand festhalten, in anderen Fächern wird mit Kompetenzrastern gearbeitet. Durch den Verzicht auf Exen sparen sich LehrerInnen unproduktive Korrekturzeiten.

    Zum Thema Noten bieten wir Ihnen einen kostenfreien Vortrag an!

  • Offene/flexible Lernräume weiterlesen verbergen

    Ein räumlicher Umbau kann viel bewirken. Im AEG in Oettingen hat man in den Jahrgangsstufen 5-7 die steife Sitzordnung aufgehoben und die Tafel entfernt, um eine andere, flexiblere Lernumgebung zu schaffen. Es gibt viele verschiedene Sitzmöglichkeiten, vor allem im Korridor (Sitzkissen etc.). Als größere Umbaumaßnahme hat man am AEG aus vier völlig getrennten Klassenzimmern einer Stufe, die im Carré angeordnet sind, eine 'Lernlandschaft' kreiert. Dafür wurden Wände teilweise entfernt oder durch Glaswände ersetzt, so dass alle Zimmer vom Korridor (der Mitte) aus einsehbar sind. Der Korridor wurde vergrößert und auch zum Lernraum umgebaut, Böden und Decken unter Schallschutzaspekten gestaltet. Im Korridor befinden sich viele verschiedene Lernmaterialien, die von mehreren LehrerInnen zusammengestellt wurden und allen Schülern der 4 Klassen jederzeit zugänglich sind. Jedes Fach hat eine Farbe, sodass die Materialien schnell gefunden werden.

    Anregungen zu modernen Lernräumen finden Sie auch auf der Website DAS FLEXIBLE KLASSENZIMMER.
  • Rhythmisierter Ganztag weiterlesen verbergen

    Die Vorteile einer Ganztagsschule sind vielfältig (s. auch UNSERE ZIELE/GANZTAGSSCHULE). Ganz zentral ist, dass SchülerInnen dort in ihrem individuellen Tempo lernen können, und dass sich alle Kinder in einer anregungsreichen Umgebung bewegen können und somit weniger vom Status ihrer Familie abhängig sind.

    Für die Etablierung von Ganztag an Ihrer Schule finden Sie Unterstützung bei der Münchner Serviceagentur für Ganztagsbildung vom Referat für Bildung und Sport der Landeshauptstadt München.
  • Gründen Sie eine Lehrer-Eltern-Schülergruppe weiterlesen verbergen

    Sie treffen sich zu Themen-, Film- und Referentenabenden und eventuell zu Aktionen, die jeder Teilnehmer vorschlagen kann. Wenn Sie sich in der Schule treffen übernimmt eine Lehrperson die organisatorische Verantwortung, die inhaltliche tragen alle. Nicht zu verwechseln mit dem Schulforum, das formal festgelegt ist und von der Schulleitung geleitet wird.
  • Arbeiten Sie im Elternbeirat weiterlesen verbergen

    Die Arbeit im Elternbeirat bietet Ihnen Mitgestaltungsrechte, vor allem wenn Sie nicht als Klüngelgruppe agieren, sondern wirklich Ansprechpartner für die Eltern sind und für Öffentlichkeit sorgen. Manche Schulleiter schränken Eltern mit dem Gebot der Geheimhaltungspflicht ein. Geheimhaltung bezieht sich aber nur auf personenbezogene Daten, meist von SchülerInnen und LehrerInnen. Ansonsten ist der Elternbeirat frei, im Gegensatz zu den dienstverpflichteten Lehrern. Eltern können sich also frei an die Öffentlichkeit und die Presse wenden (s. auch Bayerisches Erziehungs- und Unterrichtsgesetz sowie Schulordnungen der verschiedenen Schularten).
  • Gründen Sie einen Förderverein weiterlesen verbergen

    Ein Förderverein bietet Ihnen größere Handlungsmöglichkeiten, unter anderem weil Sie nicht an eine Amtszeit gebunden sind wie im Elternbeirat. Im Förderverein können sich auch außerschulische Personen und ehemalige SchülerInnen engagieren. Vor allem aber können Sie einfacher und freier als innerhalb der Schule mit Geld umgehen und zwar nicht nur mit Mitgliedsbeiträgen, sondern mit allen Geldern, die Sie mit Fantasie und Engagement auftreiben (Fundraising). Spenden werden lieber gegeben, wenn der Spender auch in Erscheinung tritt. Es gibt Fördervereine, die ihrer Schule eine neue Mensa bauen oder die Sanierung der Turnhalle vorantreiben. Dabei sollte man natürlich immer auch im Kopf haben, dass das eigentlich Aufgaben eines demokratischen Staates sind.

    Aber auch im pädagogischen Bereich können Fördervereine etwas bewirken - beispielsweise durch eine Verbesserung des Nachmittagsprogramms und das Engagement zusätzlicher Pädagogen. Immer ist die Einbeziehung Dritter sinnvoll, die Öffnung der Schule nach außen. So können Schauspieler oder Handwerker mit den Kindern und Jugendlichen an Projekten arbeiten, ein Betriebswirt oder ein Jurist kann sie bei der Gründung einer Schülerfirma unterstützen. Organisationen und Experten aus allen Bereichen können das Schulleben nachhaltig verändern. Und Experten sind nicht zuletzt die Eltern, wenn sie mit ihrer beruflichen und lebensgeschichtlichen Erfahrung gefragt sind.

An diese Grenzen können Sie stoßen

Selbst wenn die Leitung Ihrer Schule und ein großer Teil des Lehrerkollegiums reformwillig sind - angesichts der starren Vorgaben des Kultusministeriums können die notwendigen Veränderungen nur in begrenztem Maß realisiert werden.

Vor allem einige Grundschulen haben zwar teilweise vom lehrerzentrierten Unterricht auf schüleraktives, individuelles Lernen umgestellt und vieles aus der Montessori-Pädagogik übernommen, aber oft beschränkt sich das auf Klasse 1 und 2. Denn danach geht es in Richtung Übertritt, um den auch innovative Grundschulen nicht herum kommen. „Solange die Grundschulzeit unter dem Diktat der Auslese steht, können Reformen nicht wirklich greifen“, sagt Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands. Das vom Kultusministerium eingeführte Modell der ‚Flexiblen Grundschule‘ findet deshalb auch nur in den Klassen 1 und 2 statt. 

In den weiterführenden Schulen wird fleißig weiter selektiert. Leistungserhebung und Notengebung bestimmen daher den Schulalltag. Das Notenkorsett bildet einen engen Rahmen, in dem selbstbestimmtes Lernen (falls es überhaupt angestrebt wird) immer nur phasenweise gelebt werden kann. Wenn am Tag X für alle Schüler die gleiche Probe geschrieben werden muss, kann von Individualisierung keine Rede mehr sein. Die Notengebung zwingt LehrerInnen zu unpädagogischem Handeln, weil schwächere Schüler durch schlechte Noten demotiviert werden. Was sie bräuchten, ist das Gegenteil: Ermutigung. 

Diese Grenzen einer neuen Lernkultur im alten System zeigen sich auch beim innovativen Gymnasium in Oettingen: Um die für alle gleiche Schulaufgabe kommt man nicht herum, und ein nach Fächern aufgeteilter Stundenplan bleibt bestehen. Wirklich selbstbestimmtes und vernetztes Lernen, bei dem alle SchülerInnen ihrem Tempo, ihren Interessen und ihrem Level entsprechend arbeiten können, ist unter diesen beiden Bedingungen nicht realisierbar. Ebenso sind heterogene, altersgemischte Lerngruppen als wichtige Komponente einer neuen Lernkultur im aktuellen Regelschulsystem schwer umsetzbar. 

Für den grundlegenden Umbau unseres Schulsystems müsste sich auf breiter Front die Erkenntnis durchsetzen:

Selektion und Notengebung sind die größten Hürden für bessere Schulen in Deutschland.

Deshalb ist politisches Engagement so wichtig. Wir alle sollten dafür eintreten, dass die Rahmenbedingungen fürs Lernen geändert werden - auch wenn das nicht von heute auf morgen geht.

Wenn wir nichts tun, wird sich nichts ändern. Viele Potenziale werden weiterhin ungenutzt bleiben. Wir würden es auch in Zukunft zulassen, dass viele Kinder - systembedingt - gedemütigt und zu Verlierern abgestempelt werden. Und dass viele LehrerInnen an dem Widerspruch scheitern, gleichzeitig Förderer und Be-/Verurteiler ihrer SchülerInnen zu sein.

 

Jeder kann an der Veränderung unseres Schulsystems mitwirken!

Leisten Sie Aufklärung

Grundlegende Veränderungen sind nur möglich und erfolgreich, wenn sie von den Beteiligten mehrheitlich mit getragen werden. Und Aufklärung kann noch mehr bewirken. Die meisten Eltern, die Filme wie DAS GEHEIMNIS GUTER SCHULEN zum ersten mal sehen, sind bewegt und empört zugleich. Empört darüber, dass trotz solch leuchtender Beispiele gelingender Schulen bei uns in Bayern größtenteils immer noch in alter Manier unterrichtet wird: notenfixiert, Lehrer-zentriert, alle im Gleichschritt, frontal, zerstückelt im 45-Minutentakt. Dass unsere Schulen, anstatt Lebensorte zu sein, eher Beziehungsverhinderungsanstalten sind.

Die Schulen der Zukunft gibt es längst, aber im öffentlichen Schulwesen Bayerns sucht man sie vergebens. Deshalb brauchen wir breiten Protest, von Eltern, Lehrern, Schülern und vielen anderen Bürgern. Wir brauchen laute Empörung darüber, was wir unseren Kindern in der Schule antun. Und - nicht minder wichtig - was ihnen vorenthalten bleibt.

 

Unterstützen Sie die Forderung nach Modellschulen

Obwohl es wünschenswert wäre - wir können nicht über Nacht das gegliederte bayerische Schulwesen mit seinen überkommenen Unterrichtsmethoden abschaffen und flächendeckend Gemeinschaftsschulen einführen, in denen individuell und aktiv gelernt wird. Eine solch grundlegende Veränderung unserer Schulen braucht ihre Zeit. Aber genauso klar ist auch: Der Wandel muss endlich beginnen, ihn einzuleiten ist überfällig! Wir brauchen dringend öffentliche Modellschulen, in denen eine andere Art des Lernens angeboten wird:

- aktives, individuelles Lernen in altersgemischten Klassen
- ohne Selektion, d.h. gemeinsames Lernen bis zur 10. Klasse (mit gymnasialer Oberstufe)
- ohne Noten bis zur 9. Klasse
- in gebundenem, rhythmisiertem Ganztag
- in inklusiven Schulen 

Modellschulen könnten praktisch zeigen, wie anderes Lernen geht. In vielen Bundesländern werden solche Gemeinschaftsschulen überrannt. Eine Abstimmung mit den Füßen fürchtet der bayerische Kultusminister, deshalb lässt er keine Modellschulen zu. Gegen dieses Diktat, das unsere Kinder in ein überholtes Schulsystem zwingt, müssen wir uns wehren. Wenn nötig müssen wir die Zulassung von Modellschulen per Volksbegehren durchsetzen.

 

Was Sie tun können:

  • Bringen Sie den Film DAS GEHEIMNIS GUTER SCHULEN in ihren Kindergarten, Ihre Schule, Ihr Kollegium. Wir kommen (samt Technik) zu Ihnen! Kontakt: info(at)eine-schule.de Nehmen Sie auch unsere weiteren, kostenfreien Veranstaltungsangebote wahr.
  • Betreiben Sie in Ihrem persönlichen Umfeld Aufklärung, um die Idee eines anderen Lernens zu verbreiten - viele Argumente finden Sie auf dieser Website.
  • Werden Sie Mitglied in unserem Verein. Wir arbeiten im FORUM BILDUNGSPOLITIK BAYERN und im ARCHIV DER ZUKUNFT NETZWERK MÜNCHEN mit anderen Organisationen zusammen. Mitgliedsantrag
  • Unterstützen Sie die bayernweite Kampagne BILDUNGSFLASH mit Ihrer Stimme und verbreiten Sie den Trailer WIR SIND VIELE.