Ein weiteres Jahr Bildungskrise? Nicht mit uns!

    Bildungswende jetzt!

    Am Dienstag beginnt für die Schüler:innen in Bayern der erste Schultag nach den Sommerferien.
    Aber was bedeutet es konkret?

    Ein weiteres Jahr, in dem 10-Jährige viel zu früh nach der 4. Klasse aussortiert werden. Die Folge ist Druck und Leistungsstress bei Kindern und deren Familien. Auf welche weiterführende Schule die Kinder kommen, hängt maßgeblich vom Elternhaus ab. Das ist nicht nur ungerecht, sondern gesellschaftlich dumm! Die OECD mahnt uns dafür kontinuierlich an.“, so Vorstand Christine Lindner.

    und Amelie, selbst Schülerin, Mitglied im Verein und bildungsengagiert fügt hinzu:
    Ein weiteres Jahr fallen Schulstunden wegen zu wenigen Lehrkräften aus. Der Lehrkräftemagel wird bundesweit immer größer. Bis 2035 fehlen 160.000 Lehrer*innen. Anstatt, den Lehrer:innenberuf attraktiver zu machen, versucht die bayerische Regierung, Lehrkräfte aus anderen Bundesländern abzuwerben. Das ist unsolidarisch und löst das Problem nicht.“

    und

    Ein weiteres Jahr bleibt das Förderschulsystem bestehen. Deutschland hat sich schon 2009 mit der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet ein inklusives Schulsystem aufzubauen. Stattdessen werden in Bayern weiterhin Förderschulen ausgebaut.“, bedauert Lindner.

    und beleuchtet man das Thema Demokratie, so kritisiert Amelie:

    Ein weiteres Jahr müssen Schüler:innen in einem autoritär-hierarchischen System Leistungen erbringen. Selbstbestimmtes Lernen wird kaum verwirklicht. Wie sollen Schüler:innen in einem derart fremdbestimmten System partizipieren?“

    Kein weiteres Jahr Bildungskrise!

    Schule muss alle Kinder bestmöglich auf die Zukunft vorbereiten. Das wird nicht gelingen, wenn Schüler:innen nach wie vor in einem veralteten Schulsystem lernen. Schule muss zu einem Ort werden, an dem alle Schüler:innen ihre Potenziale entfalten können und individuell gefördert werden. Dafür braucht es ausreichend Lehrkräfte und Pädagog:innen.

    Die OECD hat drei Schlüsselkompetenzen für schulisches Lernen festgelegt,  darunter das Interagieren in heterogenen Gruppen. Aber wie sollen Schüler:innen diese Schlüsselkompetenz erlernen, wenn sie bereits nach der 4. Klasse getrennt werden? Wie sollen das Schüler:innen erfahren, wenn Inklusion nicht verwirklicht wird?

    Eine Schule für Alle in Bayern e. V. fordert deshalb die Regierung auf, Gemeinschaftsschulen als weitere Schulart im öffentlichen System zuzulassen. und hat dafür im vergangenen Jahr das Bündnis Gemeinschaftsschule Bayern mit auf den Weg gebracht.

    Wir können kein weiteres Schuljahr warten!

    Von BILDUNGSKRISE zu BILDUNGSWENDE

    Oranger Hintergrund mit der Aufrschrift: Bundesweiter Bildungsprotesttag, Demo und Kundgebung München Königsplatz am 23.0923 um 12:05 UhrBundesweit kommt es in rund 30 Städten am 23. September 2023 zu Protesten, um Bundeskanzler und die Länderregierungen gleichermaßen unter Druck zu setzen, mehr Ressourcen und Geld für Kitas und Schulen aufzuwenden. Über 170 Bildungsorganisationen, Eltern- und Schüler*innenvertretungen und Gewerkschaften unterstützen mittlerweile die Forderungen des Appells ‚Bildungswende Jetzt!, in dem ein gerechtes, inklusives und zukunftsfähiges Schulsystem eingefordert wird, davon sind über 40 (!) allein aus Bayern.
    In Bayern sind Kundgebungen in München um 12.05 Uhr am Königsplatz sowie in Erlangen ab 11:00 Uhr am Schlossplatz um 11 Uhr geplant.

    Eine Schule für Alle in Bayern e.V. gehört zu den Erstunterzeichnern des Appels und Vorstand Christine Lindner zum Delegierten Team für Bayern zusammen mit Florian Kohl von der GEW Bayern.

    Landtagswahl – Ausweg aus der Krise?

    Bildung ist wichtig. Darin sind sich alle Parteien und Politker:innen einig, wenn man sie befragt. Und das Thema selbst gewinnt auch im Wahlkampf an Bedeutung. Aber blickt man zurück, so muss man feststellen, dass eine echte Bildungswende nach jeder Wahl in Bayern weitestgehend ausblieb. Es blieb bei einem ‚Weiter so‘ und ‚Hamma immer schon so g’macht.‘ Damit sollten wir uns dieses Mal nicht zufrieden geben.

    Wir brauchen also eine Regierung, die nicht mehr an einem Schulsystem aus dem vorigen Jahrhundert festhängt.

    In keinem anderen Land ist der Bildungserfolg so stark vom Geldbeutel der Eltern abhängig wie in Deutschland bzw. Bayern. Schaut man in andere Länder wie z.B. nach Norwegen, könnte man sehen, was eines der besten Schulsysteme der Welt anders macht. Dort trennt man die Kinder sehr viel später, längeres gemeinsames Lernen ist dort seit vielen Jahren selbstverständlich, genauso wie Inklusion. In Bildung wird jährlich außerdem mehr investiert als in Deutschland bzw. in Bayern. Das Resultät: Sehr viel bessere Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder, nicht nur für die sozial besser gestellten Familien. 

    Das Bildungssystem auf Vordermann zu bringen, sollte also ein zentrales Thema nicht nur während des Wahlkampfs sein.

    Man sollte sich also auf den Weg machen, und sich gute Schulsysteme ganz einfach mal ansehen, frei nach dem Motto ‚Learn from the Best‘.  Und man muss noch nicht mal nach Schweden, Finnland oder Norwegen reisen, man könnte den Weg auch kurz halten und einfach nach Baden-Würrtemberg fahren und sich dort die Schulpreisträger-Schule ‚Alemannen Schule Wutöschingen‘ ansehen, eine staatliche Gemeinschaftsschule die 2019 den deutschen Schulpreis erhalten hat. Eine Schule, die es in Bayern laut CSU und Freie Wähler niemals geben darf.

    Ganz konträr die CSU im Wahlkampf, die das Thema Bildung in ein parteipolitisches Gezänk „Grün gegen Schwarz“ hineinzerrt. Wenn also Ministerpräsident Söder wie unlängst zu einem Statement der Grünen Jugend Niedersachsen zur Einführung von Gemeinschaftsschulen von sich gibt: ‚Das wird es in Bayern nicht geben! das garantieren wir…!“, halten wir das nicht nur als unproduktiv, sondern geradezu unnötig. Es erinnert uns in der Strenge von Söders Argumentation an die Dogmatik der katholischen Kirche.

    Wir machen mobil

    Überschrift auf dem Bild: Ein weiteres Jahr Bildungskrise? Nicht mit uns! Christine Lindner hält ein Schild mit der Forderung zur Einführung von Gemeinschaftsschulen auch in Bayern. Logo Bildungswende Jetzt! Logo Eine Schule für Alle in Bayern e.V.

    Am 8. Oktober wird sich entscheiden, ob Bayern eine Regierung bekommt, die an einem veralteten, ungerechten Bildungssystem festhält oder eine Regierung, die den Weg für eine echte Bildungsreform frei macht.

    Wir stehen vor einer grundsätzlichen Entscheidung. Gibt es ein „Weiter so“ in der Bildungspolitik oder eine echte Bildungswende?
    Wie die Parteien zur Einführung von Gemeinschaftsschulen stehen, kann man übrigens auf der Seite des Bündnis Gemeinschaftsschule Bayern nachlesen.

    Am 23. September werden wir jedenfalls laut. Wir können uns keinen Stillstand in der Bildungspolitik leisten. BILDUNGSWENDE JETZT

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