Lehrer*innen, Eltern, Schüler*innen –
Auf die Beziehungen kommt es an

Trotzdem sich mittlerweile sehr viele Erwachsene einig darüber sind, dass es im Zusammenleben und in der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen in erster Linie um die Beziehungen geht, befassen sich doch die meisten Lehrer*innen und Eltern vornehmlich mit der Frage, was sie tun, machen, sagen, fragen oder festlegen können, damit Kinder und Jugendliche einem bestimmten Bild entsprechen bzw. funktionieren. „Was“, fragte mich unlängst ein Vater nach einem Elternabend, “kann ich mit meinem Kind machen, wenn es…?“ Ich sagte: „Eine andere Ausgangsfrage finden. Ich habe den Eindruck, dass Ihr
Kind auf eine bestimmte Weise reagiert, gerade WEIL Sie meinen, ständig etwas mit ihm MACHEN zu müssen. Niemand mag es, wie ein Paket behandelt zu werden. Richten Sie ihren Fokus auf die Beziehung.“ Der Vater staunte und erwiderte: „Und was ist damit gemeint?“

Das ist eine wunderbare Frage und kann ein wichtiger Ausgangspunkt sein, um als Elternteil bzw. als Lehrer*in die „Beziehungs-Fährte“ aufzunehmen.

Manche machen sich auf den Weg, indem sie Bücher zum Thema „Beziehungen“ lesen. Gute Idee. Warum nicht? Andere wiederum orientieren sich an einzelnen Bildern und Formulierungen. Wunderbar! Wer Mut, Kraft, Zuversicht und Inspiration zieht aus Sätzen, wie zum Beispiel „Die Welt liegt zwischen den Menschen.“ (Hannah Ahrendt) oder „Die Welt, in der wir leben, entsteht aus der Qualität der Beziehungen.“ (Martin Buber), erinnert sich möglicherweise daran, dass ein gutes Miteinander einen direkten Einfluss nimmt auf die Frage, ob man auf seine Kompetenzen / Potentiale / Talente zugreifen kann. Bisweilen reicht ein einziger Gedankenfunken, um ein wärmendes Feuer zu entfachen.

Und dann gibt es natürlich auch noch jene Lehrer*innen und Eltern, die niemals ein Buch zum Thema „Beziehungen“ zur Hand nehmen oder Vorträge über Beziehungskompetenz besuchen. Sie tragen eine Haltung der Gleichwürdigkeit in sich und gehen „ganz einfach“ in Beziehung. Und wenn der neunjährige Tom über Symptome mitteilt, dass es auf der Beziehungsebene kriselt, fragen sie nach: „Sag mal Tom, kannst du mir sagen, was du von mir brauchst, wenn…?“

Jeder möge seinen Weg finden, um die Qualität des Miteinanders in den Blick zu nehmen und – falls erforderlich – zu verbessern. Für wichtig erachte ich, dass Erwachsene sowohl in den Schulen als auch in den Familien die volle Verantwortung übernehmen für den „Duft in der Bäckerei“.

Ich freue mich sehr darauf, gemeinsam mit der Initiative Eine Schule für alle in Bayern e.V. am 21.11.2019 einen Abend für Lehrer*innen (und anderen pädagogischen Fachkräften) und Eltern gestalten zu dürfen, in dem es um die Beziehungen zwischen Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen gehen wird.

Denn: Auf die Beziehungen kommt es an…

Wir treffen uns ab 19 Uhr in der „Gepäckhalle“ des Giesinger Bahnhofs. (Bitte unter info@eine-schule.de anmelden)
Im Anschluss an meinen Einstiegsvortrag gibt es die Möglichkeit zum Austausch.

Beste Grüße,
Andreas Reinke – INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Andreas Reinke (Familylab-Seminarleiter, Trainer für Lehrer*innen, Buchautor von Das wird Schule machen und Vertrauensbildung-Wege aus der Schulangst wurde 1972 in Rendsburg (Schleswig-Holstein) geboren, ist Vater einer vierzehnjährigen Tochter und arbeitet seit sechzehn Jahren als Lehrer. Während seiner Zeit an verschiedenen Grundschulen, weiterführenden Schulen, staatlichen Schulen und Schulen in freier Trägerschaft machte Andreas Reinke die nachhaltige Erfahrung, dass es letztlich die Qualität des Miteinanders ist, die darüber entscheidet, wie es den Menschen in pädagogischen Einrichtungen bzw. im familiären Kontext geht und ob sie sich entsprechend ihrer Potentiale entfalten können.

Gerade in Krisensituationen – so seine Überzeugung – können konkrete inhaltliche Lösungen erst dann gefunden und angenommen werden, wenn ein gleichwürdiger Kontakt zwischen den Erwachsenen bzw. zwischen Erwachsenen und Kindern / Jugendlichen etabliert wurde. Hier sind Aspekte wie Integrität, Authentizität, persönliche Verantwortung und Dialog zu nennen und zu berücksichtigen. Als freiberuflicher familylab-Seminarleiter (gegründet vom dänischen Familientherapeuten Jesper Juul) bietet Andreas Reinke seit 2015 regelmäßig Beratungen, Workshops und Vortrags- und Gesprächsabende für pädagogische Fachkräfte und Eltern an. Auf seiner facebook-Seite INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN veröffentlicht er regelmäßig Gedanken zu den Themen Schule, Lernen, Bildung, Familie, Elternsein. In der familylabSchriftenreihe publizierte Andreas Reinke zwei Bücher „Das wird Schule machen – Kein Bildungssystem kann besser sein als seine Lehrer“ und „VertrauensBildung – Wege aus der Schulangst“. Andreas Reinke lebt mit seiner Tochter in Grimma (Nähe Leipzig) und arbeitet auf Honorarbasis am Evangelischen Schulzentrum Muldental.

Hier weitere Informationen zu Andreas Reinke:
https://familylab.de/trainer/andreas-reinke/
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